Neue Märkte, neue Chancen
Der Radlader-Spezialist Atlas Weyhausen sieht optimistisch in die Zukunft: Der Wettbewerb ist hart, aber der Markt für kompakte Radlader ist in Deutschland stabil und zieht im Export an. Mit einem neuen Walzenprogramm erobert das Wildeshausener Traditionsunternehmen ganz neues Terrain.
Der Markt für Baumaschinen wird beherrscht von den Großen der Branche. ähnlich wie in anderen Branchen, z.B. der Landtechnik, konzentriert sich das Geschäft bei wenigen Großkonzernen. Und trotzdem behaupten sich auch mittelständische Unternehmen: Der Radlader-Spezialist F. Weyhausen AG & Co. KG aus Wildeshausen ist ein Beispiel dafür, wie kleine Unternehmen mit innovativen Produkten am Markt punkten können. Der Name Atlas hat einen guten Klang in der Branche und steht für technisch ausgefeilte und robuste Radlader, die in der Bauindustrie vielfältigen Einsatz finden.
Als zweites Standbein haben die Wildeshausener seit Ende 2004 die Produktion von Bodenverdichtungsmaschinen, so genannte Vibrationswalzen, im Programm. Die F. Weyhausen AG & Co. KG wurde 1971 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Wildeshausen. Das Unternehmen blickt auf über 30 Jahre Erfahrung im Maschinenbau zurück und ist mittlerweile nach DIN ISO 9001 - 2000 zertifiziert. Atlas Weyhausen ist gut am Markt positioniert, denn „wir waren technisch immer sehr innovativ“, erklärt Holger Wagner, Marketingkoordinator im Unternehmen. Vom ersten selbstfahrenden Baggerlader bis zur vollelektronischen Wegfahrsperre und dem Atlas-Diagnose-System lieferte das Unternehmen immer marktgerechte und innovative Produkte.
Das Familienunternehmen ist mittlerweile ein international agierender Spezialist für Kompaktradlader und seit Dezember 2004 für Vibrationswalzen. Fertigungsstätten sind Deutschland und Ungarn. Am Hauptsitz Wildeshausen sind rund 170 Mitarbeiter und 12 Auszubildende beschäftigt. Die „Kapos Atlas Gepgyar Kft.“ ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen, dass in Ungarn Stahlbaukomponenten für die Montage in Wildeshausen produziert. In Ungarn sind 200 Mitarbeiter beschäftigt. „Die Ungarn produzieren auf höchsten Qualitätsstandard und sind nach DIN/IS0 9002 zertifiziert“, erläutert Holger Wagner. Atlas Weyhausen hat bewegte Zeiten hinter sich. So folgte zum Beispiel dem Hoch der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 2001 ein Tal der Tränen. In diesem Jahr brach der Baumaschinenmarkt um 40 Prozent ein.
Im folgenden Jahr gab der Markt nochmals um 20 Prozent nach. 2002 sei eines der schwierigsten Jahre in der Firmengeschichte gewesen, erinnert sich Holger Wagner. Doch die Wende kam 2004: Bereits auf der Bauma in München, der Leitmesse der Branche, hatte sich ein guter Geschäftsverlauf angedeutet. Viele Kunden hatten auf der Messe unvorbereitete Aufträge herausgeschrieben. Das hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Dementsprechend konnte Atlas bei Absatz und Umsatz sehr erfreuliche Zuwachsraten verzeichnen. Das Jahr 2004 wies unterm Strich im Vergleich zu 2003 ein sattes Umsatzplus aus.
Die größte Nachfrage nach Radladern besteht auf dem europäischen Markt. Neben dem heimischen Markt sind vor allem Frankreich und Italien wichtige Absatzmärkte für F. Weyhausen. Das Marktvolumen in Deutschland beläuft sich insgesamt auf 4000 Radlader im Jahr, in Frankreich auf 1300 und in Italien auf rund 350. „Das ist der Markt, um den es geht. National stehen wir sehr gut da, wobei wir mittlerweile eine Exportquote von über 40 Prozent haben“, erklärt Holger Wagner. Große Hoffnungen richten sich auf den nordamerikanischen Markt. Innerhalb von drei Jahren wuchs das Volumen des US-Marktes von 1300 auf 1600 Einheiten. „Wir erwarten einen Anstieg auf 2000 Einheiten pro Jahr, das ist ein sehr interessantes Feld für uns“, so Holger Wagner. Seit einem Jahr hat die F. Weyhausen AG und Co. KG eine Niederlassung in Ohio. Eine Menge erwarten sich die Wildeshausener auch vom neuen Produkt, den Walzen. Atlas hat sich hier die ausgereifte Technik eines Walzenherstellers eingekauft. Sich einzig und allein auf eine Maschinen-Kategorie zu stützen, ist riskant, selbst wenn man wie Atlas ein anerkannt gutes Produkt herstellt und vertreibt. Verschärft wird die Situation durch die sehr hohe Zahl der Anbieter von kompakten Radladern Atlas Weyhausen bearbeitet bereits alle Märkte, in denen kompakte und kleine Radlader nachgefragt werden. „Das erwünschte und notwendige Wachstum allein von den Radladern abhängig zu machen ist unrealistisch“, erläutert Holger Wagner. Bei der Suche nach einer geeigneten zusätzlichen Produktreihe hat das Unternehmen gezielt Wachstumsmöglichkeiten sondiert. Dabei kristallisierte sich heraus, dass für Atlas zusätzliches Wachstum weitgehend vertriebsabhängig ist, weil es über das bereits existierende Händlernetz realisiert werden muss. Da die Vertriebspartner auf den Erdbau fokussiert sind, passen dazu natürlich Walzen für die Erdverdichtung. „Deshalb ist uns die Wahl letztendlich relativ leicht gefallen“, so Wagner. Atlas Weyhausen hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Im November 2004 verkaufte das Unternehmen den 27 000 Radlader. Es wird dauern, aber im Bereich der Walzen wollen die Wildeshausener diese Stückzahl irgendwann auch erreichen.
Das Atlas-Radladerprogramm umfasst heute die Größenklassen 0,3 bis 1,6 Kubikmeter Standard-Schaufelinhalt in den Leistungsklassen von 24 bis 92 kW (32 bis 125 PS) mit Dienstgewichten von 2,5 bis 8,4 Tonnen. Alle Radlader haben einen hydrostatischen Fahrantrieb mit zuschaltbarer Differentialsperre, Komfortkabinen mit ergonomisch gestalteten Bedienelementen, hohe Standsicherheit und außergewöhnliche Hubwerksleistung. Das Vibrationswalzenprogramm umfasst sechs Knickpendelgelenkte, vollhydraulisch angetriebene Modelle, die zwischen 7,5 und 15,5 Tonnen schwer sind und Walzbreiten von 1,70 bis 2,10 Meter aufweisen. Die Motorleistungen reichen von 61 bis 116 kW (83 bis 132 PS).
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